Ein Sieg der unerklärlichen Unvernunft

Das letzte Objektiv

Wie Ihr ja alle wisst, habe ich in den letzten Monaten meinen Objektivpark umgekrempelt. Alle Festbrenner wurden von mir mittlerweile veräußert und auch die Olympus Standardobjektive fielen den Umstrukturierungen zum Opfer. Mein Bestand sollte irgendwann nur noch aus 3 lichtstarken Zoomobjektiven der Olympus PRO-Reihe bestehen. Welche genau das sind? Das erst ende Juni erschienene m.Zuiko 7-14mm 2.8 PRO, dem „Kit“ m.Zuiko 12-40mm 2.8 PRO und das m.Zuiko 40-150mm 2.8 PRO + 1.4 Telekonverter. Hinter den beiden zuletzt genannten Objektiven ist der Haken bereits gesetzt. Nun also noch das 7-14mm *yippie*. Für mein bisheriges m.Zuiko 9-18mm 4-5.6 standen somit die Zeichen auf Abschied. Nun gut… nicht ganz, es wechselt nur das Lager. Ab sofort darf es sich an dem mFT-Panasonicbody von HoochisWelt beweisen.

So viel zur Gesamtsituation. Nun aber weiter im Kontext. Bleiben wir seriös *hust*.

Bei meinem „Dealer des Vertrauens“ aus Konstanz am Bodensee, habe ich vor kurzem eine Anfrage bezüglich des „7-14mm“ gestellt. Schlau wie der Händler ist und gut wie er mich kennt, lies er mir nicht nur nur ein Angebot über das Objektiv zukommen, sondern verpackte zusätzlich darin auch noch ein weiteres schmackhaften Gesamtpaket mit der Olympus OM-D EM-5 Mark II. In silber natürlich. NATÜRLICH!

„Dieser Drecksack!“

Ganz ohne binomische Formeln

Die E-M5 II also! Der modische Porsche und zugleich der „da Vinci“ unter den Kamerabodies.

Was zur Hölle soll ich jetzt nur machen?

War einer meiner Gedankengänge. Gerade erst habe ich – für meinen Regenurlaub im Oktober – den Campingbus für 3 Wochen bezahlt und die dazugehörige Fährüberfahrt. Ich kramte also zunächst mein streng geführtes Haushaltsbuch hervor. [Anm.d.Red.: Das führt er wirklich!] Kalkulierte hoch und runter.

„Ja! Nein! Ja! Nein! Nein! Nein! Ja! Jaaaah!“Lord Helmchen

Mein Kontostand sagte „basst“, mein Gewissen „vergiss es!“. Das Gewissen wird umgangsprachlich auch gerne mit dem Hausdrachen, der sogenannten „guten Seele“ verglichen *lach*. Ich wollte eigentlich den Body noch nicht wechseln. Ehrlich!

Gut… die Neue hat schon ein paar „Nice-to-Have“-Features und liegt nicht schlecht in den Händen. Schon ein paar Wochen zuvor auf dem vergangenen Fotogipfel in Oberstdorf, durfte ich dank Olympus die Kamera ein paar Stunden, unterwegs und mit eigener SD-Karte, testen. Zusammen mit dem neuen 7-14mm versteht sich. Meine zarten IT-Fingerchen saugten sich bereits in Oberstdorf wie „Power Lacers“ an die homogene Form der Kamera. Nein, ich wollte trotzdem auf die Photokina 2016 warten. Darauf, dass Olympus dort die „OM-D E-M1 Mark II“ aus dem Hut zaubert. Ausgestattet mit einem brandneuen Sensor. Vielleicht sogar schon dem „Organic Sensor“, der sich aktuell in Kooperation mit Fuji in der Entwicklung befindet. Ein erstes 8 MP Bild davon ist ja schon aufgetaucht und die 10.000fps wären sicherlich auch nicht zu verachten gewesen. Stichwort High-Res-Aufnahmen aus der Hand.

Alles viel Technik, alles viel blabla, alles viel Theorie. Die Tatsache, dass ich mir bereits darüber meinen hohlen Kopf zerbrach, machte die Situation nicht wirklich besser. Nicht viel sprach und spricht noch immer für ein Update. Auf dem Angebot klaffte aber noch immer diese eine Zeile. Eine Zeile wie in Stein gemeißelt. Eine Zeile, die sich wie eines der Zehn Gebote las. Die Zeile mit diesem verdammten Body. Vertriebseitig ein Coup! Ein wahrhaftiger Geniestreich!

Jahrelang war ich dagegen resistent. Egal ob Ariel, der Charmin Bär oder Mehmet Scholls‘ Dacia. Alles prallte in der Vergangenheit an meiner stahlharten Physis ab. So eigentlich auch zunächst das Olympus Announcement zur E-M5II, zumal das Ding ja auch noch den exakt selben Sensor wie in meiner bisherigen E-M5 besitzt. Nur eben vollgepackt mit viel SchiSchi und Schnörkeleien. Von W-LAN über Live-Composite, bis hin zum Focus Peaking und HDR. Alles verziert mit einem roten Schleifchen. Schön wenn man es hat, brauchen tut es keiner. Oder genauer gesagt: Alles Dinge, die die Welt nicht braucht aber diese ein Stück weit kompfortabler gestaltet.

Immerhin hätte dieser Sensor keinen Kratzer mehr, wie der in meiner nunmehr fast exakt 3,5 Jahren alten E-M5. Meine beiden Leica-„Coffee Stain“-Gedenkkreise, wären sozusagen mit einem Schlag pulverisiert. Ohoh… habe ich das eben erwähnt? Habe ich das tatsächlich gedacht? Da war er also… dieser EINE Haken, an dem sich künftig dieser kleine „Ich bin nie zufrieden Mann“ in meinem Kopf klammern sollte. [Anm.d.Red.: Ich habe jetzt Lust auf Salamipizza].

Der Griff des kleinen Mannes war so stark, als ginge es für ihn dabei um Leben und Tod. Nun gut… Eigentlich ist das integrierte W-LAN ja auch nicht sooooo schlecht. Mir wird es zwar damit die Akkus schneller leersaugen, als Michaela Schaffrath zu Ihren besten Zeiten, aber egal! Ich bräuchte somit eigentlich auch keinen Fernauslöser mehr und könnte die Kamera per App bedienen. Klang nach einem „Must-Have“ und der Renaissance meines bereits ausrangierten alten Smartphones. Der kleine Mann in meinem Kopf wurde langsam zielstrebiger und entschlossener.

Hey! Ich brauche auch kein zusätzliches Zubehör. Alles von meiner bisherigen E-M5 könne ich schließlich auch an der neuen E-M5 Mark II benutzen. Meine 8 Akkus könnte ich also – mit all dem aktivierten Technikgedöns – somit in nur einer Nacht verbraten. Klang einleuchtend wie ich finde! Achso, ich vergaß das Schwenkdisplay. Ab sofort könnte der Vollkontakt bei Hochkantaufnahmen mit der Welt aus Käfern, Würmern, Zecken und Kuhfladen, der Vergangenheit angehören. Das senkt natürlich die exorbitanten Wasser- und Stromkosten bezüglich der Waschmaschine. Sieh an, sieh an. Ich würde am Ende also auch noch Geld sparen. Das ich aufgrund einer eigenene Quelle zu Hause überhaupt keine Wasserkosten trage, sei an dieser Stelle mal überhört. [Anm. HoochisWelt: Oder die Frau die Wäsche wäscht!!!]

Habe ich schon die 40 MP Sensorshift-Funktion erwähnt? Nein? Nutzlos bei sich bewegenden Objekten. In der Natur bewegt sich aber zum Glück nicht viel und bei starken Winden ist auch ohne Sensorshift das Gras verschwommen. Bewegungen verleihen zudem der Aufnahme eine gewisse Dynamik. In RAW sind es im Übrigen über 64 MP. Sehr schön! Meine NAS zur rechten Schulter, führte zu diesem Zeitpunkt bereits einen Freudentanz auf. Endlich steht wohl der Nachwuchs ins (NAS)Haus.

Zu guter Letzt warf ich noch den Live-Composite-Modus ins Boot. All-In sozusagen. Ich zog nun vollkommen blank! Ein Bild, welches sich während der Aufnahme auf dem Display aufbaut? Ok! Unterscheidet sich zunächst nicht wirklich von dem Live-Bulb meiner bisherigen E-M5. Das großartige daran: Man legt eine Grundbelichtung fest. Ab diesem Zeitpunkt, wird das Bild nur noch mit den hellen Pixeln erweitert. Das können Lichtspuren oder sich bewegende Sterne sein.

Warten bis 10 Autos durchs Bild gefahren sind, ohne das irgendwie ein anderer Teil überbelichtet wirkt?! Startrails ohne minutenlanger Postproduction?!

Die wildesten Phantasien und die irrsten Ponyweltgedanken wurden geboren. Der kleine Mann war mittlerweile am durchdrehen und hangelte sich wie ein wildgewordener Pavian durch meinen Synapsenwald.

Ich rechnete währendessen noch immer. Mittlerweile auch von links nach rechts. Hätte ich in der Schule weniger geraucht, wäre ich sicherlich zu einem verfünftigen und nachvollziehbaren Ergebnis gekommen. So kam das, was kommen musste. Von meinem schier unvorstellbaren Reichtum *hust*, sollte ich also ein Krümelchen abzwacken. Das kleine Rädchen unserer verkommenen Konsum- und Wegwerfgesellschaft musste sich schließlich weiterdrehen. Die Niederlage war besiegelt. Ein letzter Gedanke noch:

„Ich tue das, weil ich ein absolut reines schneefreies Gewissen habe.“Der Kokser König vom Bosporus

Wie hoch der Preis war? Ich frag Dich auch nicht danach, was Deine beschi**enen Alufelgen an Deinem hä**lichen BMW gekostet haben! Wie immer gab es aber ein paar %chen Nachlass.

Warum keine OM-D E-M1? Weil diese selbst gebraucht noch teurer gewesen wäre, als das Angebot des Bodys aus dem Händlerpaket.

Die Frage nach dem Warum? Die kann ich mir selbst nicht beantworten.

Rational denkend? Schon längst nicht mehr!

Bessere Bilder nun? Wohl kaum!

OM-D E-M5.

Olympus.

Mark II.

Liebe.

Ende.

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dasFLOSEN Verfasst von:

Meine Name ist Florian Schickling, der sogenannte "ich"-Part von "dasFLOSEN" und Autor sowie Knipser meines Blogs dasflosen.de. Grundsätzlich bin ich einfach gerne unterwegs, verbringe viel Zeit in der Natur und versuche schöne Momente und Eindrücke mit einer Systemkamera von Sony festzuhalten. Jeder Ausflug hat seine eigene Geschichte zu erzählen und da ich selbst das alleinige Betrachten von Bildern langweilig finde, kam mir die Idee mit dem Niederschreiben. Dieser soll nicht nur unterhalten, Eindrücke schildern und Bildmaterial liefern, sondern zugleich auch als Informationsquelle für mich, für die Interessierten unter Euch oder für die Nachwelt dienen.

8 Kommentare

  1. 4. Juli 2015
    Antworten

    Wer da nicht stark bleiben kann, hat schon recht. Und wenn ich das so lese, dann läuft mir ziemlich stark das Wasser im Mund zusammen. Habe mir meine OMD EM10 noch kurz bevor die EM5Mii raus kam gekauft. Dachte mir ist eine gute Idee. Jetzt sehe ich überall die Mark II, überall, überall, …
    Bin ich froh, das ich keinen Drecksack-Dealer habe, der mir ein Angebot macht.

    Gruß
    Andreas

    • 4. Juli 2015
      Antworten

      Ich denke, wenn ich nicht 100% gewusst hätte, dass ich die Kamera auch fast jeden Tag nutze, hätte ich abgelehnt. Hab mir auch zuerst überlegt, eine EM10 oder nochmals eine Em5 zuzulegen für den Urlaub. Kam aber jetzt eben doch anders.

  2. Anita
    4. Juli 2015
    Antworten

    Na dann.. Gratuliere zum Familienzuwachs. 😉

    • 5. Juli 2015
      Antworten

      Danke! 😀
      Jetzt hat er wieder ein neues Spielzeug und freut sich wie ein kleines Kind.

  3. 5. Juli 2015
    Antworten

    Nochmals vielen Dank für die Überlassung des 9er´s.
    Meine Kamera und ich freuen sich schon drauf. 🙂

    • Anita
      5. Juli 2015
      Antworten

      Kanns mir bildlich vorstellen.

  4. […] diese Zeilen zu verfassen. Das letzte Mal, als ich ähnliche Worte zu Verfassen versuchte, war vor etwa 3 Jahren. Es ist schwer darüber zu schreiben. Höre ich doch jetzt schon das heimliche Gelächter der […]

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