Dillenburg – Zu Gast in der Einsamkeit

Licht und Schatten

Das viele geschäftliche Reisen hat definitiv Vor- und Nachteile. Bei jeder mehrtägigen Geschäftsreise reist meine Fotoausrüstung natürlich mit. Da aber nach getaner Arbeit oftmals noch Kundenessen oder die Vorbereitung auf den nächsten Tag abends im Hotel auf dem Plan stehen, bleibt die Knipse zumeist verstaut. Diesmal verschlug es mich in den Norden des Bundeslandes Hessen. Genauer gesagt nach Dillenburg. Ich hätte gerne erfrorene Hunde fotografiert, aber selbst Hunde gab es dort keine mehr.

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Nun gut, immerhin blieben die Geschäftsessen aus und die Vorbereitungen hielten sich in Grenzen. Da ich Hotels persönlich langweilig finde, blieb mir also genügend Zeit die Gegend zu erkunden. Gut… viel zu sehen gab es nicht, die nächste Cocktailbar war 45 Minuten zu Fuss entfernt. Bier? Gab es keines, nur Pils. Ein wenig verrückt sind sie also schon dort oben. In der gesamten Stadt gab es zudem nur ein einziges annehmbares Restaurant, dessen Spargel immerhin vorzüglich schmeckte. Mein Morgenpipi hat dies mir und meinem Riechorgan am nächsten Tag eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

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Aber immerhin gibt das Dorf fünf Banken – in dessen Bankautomaten man die Karte spiegelverkehrt! stecken musste – und drei Parkhäuser her. Die Parkhäuser standen natürlich zu 90% leer. Das teuerste Haus im Immobilienkasten lag bei 280.000 EUR. Ein Mehrparteienhaus, saniert und mit riesigem Grundstück. Thailand in der Rente? Pah, ich glaube die Gegend dort tut es auch *lach*.

Ein Gespräch mit dem ein oder anderen Einheimischen gab dann Aufschluss darüber, dass die Gegend langsam stirbt. Man lebe noch ein wenig vom Tourismus, aber die jungen Leute treibt es alle in die Ballungsgebiete u.a. in den angrenzenden Ruhrpott. Der Kunde bestätigte noch diesen Eindruck, indem er mir sagte, dass man extra in Düsseldorf eine Niederlassung eröffnete, da man die Programmierer nicht einmal mit hohen Gehältern in die Gegend locken konnte. Schade eigentlich, denn die durchaus bergige und bewaldete Gegend gefiel mir landschaftlich sehr.

Wie bei jedem Termin recherchierte ich im Vorfeld ein wenig die landschaftlichen Highlights der Gegend. Da ich auf den Geschäftswagen keine Extrakilometer fahren möchte, müssen diese zu Fuss erreichbar sein. Eine Burg und ein Pavillon am gegenüberliegenden Berg war letztendlich das Ergebnis. Naja, besser als nichts. Den Weg zum Pavillon auf der Anhöhe wollte ich an der Rezeption erfragen. Leider konnte mir erst die Fünfte Dame weiterhelfen. Allzu bekannt war dieser also anscheinend nicht. Die nette Dame quittierte mein Vorhaben mit den Worten:

Um diese Uhrzeit wollen Sie noch nach oben? Dann ist es aber Dunkel.

Ähm… ja, war mir durchaus bewusst. Wofür kauft man sich denn den ganzen Kram wie Stirn- und Taschenlampen. Sicherlich nicht diese im Schrank zu bestaunen. Die Tatsache, dass um 1840 dort ein Massenmörder unterwegs gewesen war, lies mich kalt. Ich dachte mir, dieser wird nach knapp 200 Jahren durchaus das Zeitliche gesegnet haben. Der Blick auf die Stadt war fantastisch, der Sonnenuntergang leider nicht so spekatcoolär wie gedacht. Aber egal, man nimmt es so, wie es kommt.

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Während meines einwöchigen Exils im Land-Dill-Kreis (LDK) erkundete ich auch noch die Burganlage selbst. Leider war diese zur Hälfte mit Bauzaun umgeben  und gesperrt. Zufällig traf ich dort den redseligen Hausmeister am Fuße der Burg. Er führt wohl nicht viele Gespräche und so kam es, wie es kommen musste. Ich wurde knapp 45 Minuten zugequatscht, während sein Motor im Auto schon lief. Er wollte mir ja nur kurz etwas mitteilen. Neben lauter Nonsens waren aber durchaus auch sehr informative Dinge dabei. So erzählte er mir vom Sturz eines Jugendlichen von vor ein paar Wochen, der den Turm erklettern wollte und nach unten fiel, als die Alarmanlage los ging. Der Tatsache, dass beim letzten Deutsch-Französischen Burgfest die halbe Mauer zusammen brach, weil diese der Druckwelle der abgefeuerten Kanonen nicht standhielt. Und natürlich, dass das komplette Gebiet unterkellert sei und Teile der Katakomben von den Anwohnern am Berg als Keller genutzt wird.

Nun weiss ich wohl alles, was es zu diesem Gebiet zu erzählen gibt. Und Ihr nun auch. Lassen wir also lieber ein paar Bilder folgen.

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Meine Name ist Florian Schickling, der sogenannte "ich"-Part von "dasFLOSEN" und Autor sowie Knipser meines Blogs dasflosen.de. Grundsätzlich bin ich einfach gerne unterwegs, verbringe viel Zeit in der Natur und versuche schöne Momente und Eindrücke mit einer Systemkamera von Sony festzuhalten. Jeder Ausflug hat seine eigene Geschichte zu erzählen und da ich selbst das alleinige Betrachten von Bildern langweilig finde, kam mir die Idee mit dem Niederschreiben. Dieser soll nicht nur unterhalten, Eindrücke schildern und Bildmaterial liefern, sondern zugleich auch als Informationsquelle für mich, für die Interessierten unter Euch oder für die Nachwelt dienen.

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